„Es ist gerade eine gute Zeit für einen Real Time TD“

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Vincent Maurer ist Technical Directing Student und arbeitet bereits während seines Studiums für führende CGI-Schmieden in Kanada. Das verdankt er unter anderem seinen Skills in Virtual Production.

 

TD Student Vincent Maurer

Vincent Maurer in seinem "Mobility Year" in Kanada, wo er unter anderem als Real Time TD für ILM tätig ist

 

„Es war immer ein Traum, mal hier zu landen. Jetzt da zu sein, fühlt sich für mich ein bisschen surreal an“, berichtet Vincent Maurer aus Vancouver am Telefon. Der Technical Directing Student arbeitet bei Industrial Light & Magic, kurz ILM. Also bei der Firma, die der Star Wars Macher George Lucas in den 1970ern gründete und seither in Sachen Visual Effects immer wieder neue Maßstäbe setzt.

 

Vincent ist dort Realtime TD im Virtual Production Environment von ILM. „Ich arbeite in einem Studio in Burnaby nahe Vancouver“, erklärt er. „Da stehen riesige LED-Wall-Sets samt Motion Capture-Systemen. Auch eine große Abteilung für die Preproduction befindet sich dort.“ Er ist derzeit für die Produktion der Serie PERCY JACKSON & THE OLYMPIANS tätig. Sie basiert auf einer Fantasy-Buchreihe von Rick Riordan. 2024 soll sie auf Disney+ zu sehen sein.

 

Virtual Production Studio von ILM, genannt Stagecraft (Foto via ILM)

 

„Ich bin gerade dabei, das Studio für den eigentlichen Dreh vorzubereiten“, beschreibt Vincent seinen Job. Er präpariere die Environments, die aus verschiedenen Departments kommen. Es gehe unter anderem darum, dass sie problemlos auf den LED-Wänden funktionieren. Neben Bug-Fixes kümmert er sich etwa um die richtigen Lichtverhältnisse auf der Wand und am Set oder passt Farben an.

 

Durch neue Drehmethoden mit virtuellen Welten bricht ein neues Filmzeitalter an

 

ILM nennt die Virtual-Production-Technologie Stagecraft. Der Konzern hat diese Technik erfunden. Dabei handelt es sich um eine neuartige Art Filme zu drehen. Große LED-Screen-Wände dienen hier als Hintergrund von Film-Sets. Durch sie können virtuelle Inhalte live ans Set geholt werden. In den Filmaufnahmen kombiniert man diese dann mit realen Kulissen und Darstellenden. Die Möglichkeiten mit virtuellen Welten zu drehen, erweitern sich mit dieser Technologie erheblich (lies hier mehr über die Virtual-Production-VFX-Technologie).

 

Die legendäre VFX-Schmiede setzte Virtual Production erstmals 2016 beim Dreh von ROGUE ONE ein. Spätestens mit dem Dreh der Serie MANDALORIAN im Jahr 2019 etablierte sie sich weiter. Seither entstehen weltweit immer mehr Studios, in denen damit gearbeitet wird.

 

Die Serie "LIGHT & MAGIC" auf Disney Plus blickt auf die Geschichte von Industrial Light & Magic und seine "Magier", die die Filmwelt mit ikonischen Effekten revolutioniert haben.

 

„Meine Aufgaben sind sehr breit gefächert. Ich bin quasi die Person zwischen den Departments“, erläutert Vincent weiter. Er sei er mit der Abteilung in engem Kontakt, die „die Environments baut“, und habe dadurch viel mit den VFX-Supervisors und Artists zu tun. Zugleich aber auch mit dem Team, das den Film am Set dreht. Es sei ein kollaboratives Arbeiten, was er schätzt. „ILM ist eine großartige Firma, ich habe tolle Kolleginnen und Kollegen und die Projekte hier sind sehr spannend“, schwärmt er.

 

Zur Entwicklung der Virtual-Production-VFX-Technologie hat auch das Animationsinstitut mit seiner Forschungsarbeit beigetragen. Seine Research & Development-Abteilung (R&D) unternahm beispielsweise wichtige Forschungen in der Entwicklung von Open-Source-Software für virtuelle Produktionen oder zur Optimierung der Realtime-Pipelines.

 

 

Seit einigen Jahren ist daher die Ausbildung in Virtual Production Teil des Curriculums am Animationsinstitut. Davon profitierte auch Vincent. Zwar habe er auch schon vor seinem Studium Erfahrungen mit LED-Wall-Studios gemacht, „aber so richtig angefangen, mich mit Realtime-Wänden am Set zu beschäftigen, habe ich, als wir beim Set Extension Workshop mit einer LED-Wand arbeiten konnten“, erinnert er sich.

 

Durch Set Extension Workshop wird Vincent zum Spezialisten für Virtual Production

 

Beim Set Extension Workshop (SEW) setzen Filmakademie-Studierende aus den Bereichen Bildgestaltung/Kamera, Szenenbild sowie Animation, VFX und TD des Animationsinstituts ein Kurzfilmprojekt um. Insbesondere geht es hier um eine Ausbildung darin, mit State-of-the-Art-Techniken Animationen und visuelle Effekte mit Realfilmaufnahmen zu kombinieren. Bei der SEW-Produktion HIGHSCORE HEAVEN, bei der Vincent teilnahm, hatten die Studierenden des Workshops erstmals eine LED-Wall zur Verfügung (lies hier mehr über den SEW).

 

Zu Beginn der Arbeit an dem Film studierte Vincent noch in der Studienvertiefung Animation. „Ich war beim SEW erst in der Rolle eines VFX-Supervisors, entwickelte dann aber für die Produktion einige Softwaretools mit“, erzählt er. Damit übernahm er im SEW-Team TD-Aufgaben. Daraufhin entschied Vincent sich, Student des Technical Directing Programms des Animationsinstituts zu werden. Nun studiert er Animation mit einem Schwerpunkt in TD.

 

 

Clip des Set Extension Workshops 2020, an dem Vincent teilgenommen hat

 

„Ich habe schon während des Studierens gemerkt, dass ich ein starkes Interesse für die technische Seite habe“, erklärt Vincent. „Ich bin ganz gern in diesem Zwischenbereich: Einerseits interessiert mich der künstlerische und kreative Teil von VFX und Animation, anderseits aber auch der filmtechnische Part.“

 

Im „Mobility-Jahr“ über Outreach-Programm in die VFX-Metropole Vancouver

 

Diese Vielseitigkeit half Vincent auch zum Sprung nach Kanada. Für seinen Aufenthalt dort nutzte er die Möglichkeit der sogenannten Student Mobility. Sie erlaubt Studierenden des Animationsinstituts für ein Jahr ihr Studium zu pausieren, um berufliche Erfahrungen zu sammeln oder an universitären Austauchprogrammen teilzunehmen.

 

 

Um nach Kanada zu kommen, bewarb er sich beim iCAD, dem Academic-Outreach-Programm von Sony Pictures Imageworks, einer weiteren großen CG-Content-Schmiede, die ebenfalls in Vancouver beheimatet ist. Die Bewerbung war erfolgreich und Vincent konnte ein zweimonatiges Internship absolvieren, in dem er an einem Animationsfilm arbeitete. „Ich habe als Lighting Artist mit der Software Katana Szenen ausgeleuchtet und auch das Compositing für Shots gemacht.“ Auch das sei für ihn eine tolle Erfahrung gewesen.

 

Bei ILM macht Vincent jedoch keineswegs nur ein Praktikum wie bei Sony. Vielmehr ist er fest angestellt. Der Kontakt zu ILM, dessen Gelände nur fünfzehn Gehminuten von der Sony-Zentrale in Vancouver entfernt ist, hätte sich durch Dennis Müller ergeben. Er ist ein Alumnus des Animationsinstituts, der heute als Senior Lighting TD (Sequence Lead) bei ILM arbeitet. Er gab schon Workshops am Animationsinstitut, daher kennen sich die beiden. Dennis wusste von Vincents Virtual Production Skills und erzählte ihm, dass ILM auf der Suche nach Real Time TDs sei. Daraufhin bewarb sich Vincent und konnte schon bald nach seinem Sony-Praktikum bei ILM anfangen.

 

TD-Expertise vom Animationsinstitut bei großen Studios hoch im Kurs

 

„Es ist gerade eine ganz gute Zeit für Virtual Production“, stellt Vincent fest. „Man hört aus allen Ecken, dass fähige Artists und TDs für den Bereich gesucht werden. Die Studios hier haben alle Ausschreibungen dazu. Ich selbst hatte schon mehrere Gespräche mit anderen Firmen, die gerade Real Time TDs suchen.“ Insbesondere werde nach Leuten gesucht, die derzeit im Gamebereich tätig sind und Interesse daran haben, im Film zu arbeiten. Schließlich sei Virtual Production eine Technologie, die am Übergang zwischen Game und Film steht.

 

Um an diese Jobs zu kommen, empfiehlt er Interessierten sich mit der Unreal Engine, dem Tool Blender und dem Realtime Renderer eevee, der Teil von Blender ist, vertraut zu machen. Dies sei sicherlich auch hilfreich für die Aufnahme in das TD-Studium am Animationsinstitut, das in den Studios in den USA und Kanada einen guten Ruf genießt. Für ihn hätte es sich bei ILM zudem positiv ausgewirkt, dass er bereits vor seinem Studium im Bereich Virtual Production tätig war. Denn er hätte in Fürth als 3D-Generalist gearbeitet und war schon bei einigen Produktion in den Penzing Studios dabei, einem der ersten Virtual Production Studios in Deutschland.

 

 

Sowohl Sony als auch ILM haben Vincent bereits gefragt, ob er sich auch nach seinem Studium eine Tätigkeit in ihrem Studio vorstellen kann. „Es könnte durchaus sein, dass ich irgendwann wieder nach Kanada gehe. Doch da muss ich mal sehen“, sagt Vincent. Schließlich wird er erst in etwa zwei Jahren sein Diplom am Animationsinstitut machen. Bis dahin hat er im Studium noch einiges zu tun. Neben vielen Projekten, an denen er als TD arbeiten wird, gilt es innerhalb des TD-Programms auch eine wissenschaftliche Forschungsarbeit zu erstellen. Das Thema wird sich bei ihm voraussichtlich um Virtual Production drehen.

 

Vincents Karriere zeigt, wer Technical Directing am Animationsinstitut studiert, hat beste Aussichten auf Top-Jobs in der Filmbranche. Sei es in Deutschland, Europa oder in den führenden Traumfabriken an der Westküste der Vereinigten Staaten und Kanadas.

 

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