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April 2018: Kellerkind

Der Film Kellerkind (Regie: Julia Ocker | Producer: Anna Matacz) erzählt in Schwarz und Weiß die Geschichte eines Kindes, das abseits der Gesellschaft in einem Keller aufwächst. Regisseurin Julia Ocker erzählt uns diesen Monat, wie die Idee zu Kellerkind entstand, das optisch so ganz anders als ihr aktuelles farbenfrohes Projekt Animanimals ist.

"Ich weiß noch, dass ich die Grundidee zu Kellerkind in ein paar Minuten aufgeschrieben habe: Eine Frau gebiert ein seltsames Kind und sperrt es im Keller ein damit es keiner sieht. Sie hofft dass es stirbt, aber es lebt und wächst immer weiter. Als die Dorfbewohner Verdacht schöpfen und die Mutter zur Rede stellen, rettet das Kind seine Mutter. Da waren also gleich Anfang, Mitte und Ende des Films da. Und als ich dass geschrieben hatte, dachte ich „Ewww, von wo in meinem Kopf kommt denn das her? Wie komm ich denn auf so was?“, und ich habe die Idee für 2, 3 Monate weg geschoben, weil sie mir so unangenehm war. Doch dann fand ich gerade das interessant.

Ich hatte ziemlich lange überlegt, was für einen Diplomfilm ich mache. Das erste halbe Jahr (oder Jahr?) habe ich dann bei anderen Projekten mit animiert, weil ich einfach nicht die richtige Idee hatte. Ich wollte einfach nicht noch eine nette kleine Geschichte erzählen. Es klingt vielleicht ein bisschen snobistisch, aber damals dachte ich, einen netten kleinen Film machen, das kann ich. Und für meinen Diplomfilm war mir wichtig, dass es ein Film ist, der mich herausfordert, ein Film, bei dem ich keine Ahnung habe, wie ich ihn machen soll. Und mit Kellerkind ging mir das so.

Ich hab dann sehr lange am Animatic gearbeitet, fast obsessiv lange. Und ich habe einen ungewöhnlich ausgefeilten Layoutsound gemacht - am Ende habe ich sogar kurz überlegt, ob ich einfach den Layoutton verwende und gar keinen Sounddesigner mehr dazu hole. Doch dann hat Andy Mühlschlegel den Film nochmal auf eine ganz neue Stufe gehoben mit seinem tollen Sounddesign. Ton war auf jeden Fall ein sehr wichtiges Thema für den Film. Es ist ja viel unheimlicher wenn man nicht so genau weiß, was mit dem Kind los ist, und wenn man es nicht sieht, sondern nur hört. Aber auch beim Bild habe ich probiert, einen Look zu finden, der die Dinge ein Stück weit offen lässt. Das waren diese gemalten Bilder, die sich entweder ins Schwarz oder ins Weiß auflösen. Das war (für meine Begriffe) jedoch ganz schön aufwändig. Ich habe zwar nur 3-bildweise animiert, aber dafür war halt jeder Frame ein Gemälde. Manchmal dachte ich mir, wenn ich noch einen Tag mehr grau-schwarze Bilder ausmalen muss, werfe ich mein Cintiq an die Wand.

Zu den netten kleinen Filmchen bin ich am Ende doch noch gekommen. Ich habe mit Studio FILM BILDER gerade meine Serie Animanimals fertig gestellt, die eigentlich mehr eine Kurzfilmreihe ist: Jede Folge ist ein abgeschlossener Kurzfilm über ein anderes Tier. Die Animanimals laufen seit 1. April täglich um 18:15 Uhr im Kika."