• A-
  • A+

Januar 2018: Ein kurzer Film über den Igel

Der Animationskurzfilm Ein kurzer Film über den Igel von Kariem Saleh (Absolvent Animation) zeigt einen Igel bei dem Versuch seine Liebe zu gesehen. Warum Kariem während der Ideenfindungsphase nicht mehr aus dem Fenster seines WG-Zimmers schauen konnte, erzählt er uns selbst.

"Ein kurzer Film über den Igel ("A Hedgehog’s Visit"), war mein Drittjahresfilm am Animationsinstitut. Nach dem zweiten Jahr an der Akademie hatte ich mich derart überarbeitet, dass ich ganze eineinhalb Jahre Pause machte und wieder als Freelancer arbeitete, statt eigene Projekte umzusetzen. Als ich dann wieder in Ludwigsburg ankam, war mir noch immer nicht ganz klar, was ich machen wollte und wie ich das Studium überhaupt für mich nutzen sollte. Ich hatte die Produktion der ITFS Trailer ausgelassen und entschloss mich nach einiger Zeit im Sommersemester endlich einen animierten Kurzfilm umzusetzen. Und zwar bis zum Ende des Semesters. Unter dieser Maßgabe erlaubte mir unser Dozent Andreas Hykade die Sache anzugehen.

Zu dieser Zeit begann ich mit einem Hilfsmittel zu arbeiten, dass ich das "Fensterboard" nannte. Dabei kritzelte ich alle Ideen und Beats des Films, in teilweise kaum erkennbarer Form, auf Postits und klebte damit in meinem WG Zimmer das Fenster zu. Ich hatte mir vorgenommen, sie erst wieder abzunehmen, wenn der Ablauf feststünde und ich produktionsbereit bin. Doch so schnell ging es dann leider doch nicht. Kurz vor Ende des Semesters, hatte ich noch immer nicht viel mehr als ein paar geschriebene Worte und einige Skizzen zusammen. So konnte ich über die gesamte Dauer des Semesters nicht mehr aus dem Fenster sehen. Drei Wochen vor Ablauf der Zeit schloss ich mich dann Hals über Kopf mit ein paar Styrodurblöcken in der Werkstatt des Animationsinstituts ein, schnitzte Kulissen und digitalisierte sie mittels Photogrammetrie, einer Technik, die damals erstmals aufkam und als Internetdienst frei zugänglich war. Ich baute im Computer meine Hauptfigur, animierte drei kurze Einstellungen und hatte dann rechtzeitig zur Jahrespräsentation am Ende des Semesters einen 30-sekündigen Clip, der den Film in Stil und Tonalität wiederspiegelte. Dieser Testclip und ein Foto des Zustandes meines Fensterboards führte dazu, dass Hykade mir für die Realisierung des Films, weitere Zeit einräumte. Nun konnte ich die Postits vom Fenster nehmen und endlich wieder nach draußen sehen.

Über die kommenden acht Monate wurde nun nach und nach der Film umgesetzt. Ich bekam Teamzuwachs von Heiko Schulze als Producer. Florian Greth und Silke Finger übernahmen das Compositing und sorgten maßgeblich dafür, dass wir es schafften den Film fertigzustellen. Letztendlich betrug die Gesamtzeit der Produktion von der ersten Idee bis zum Ausspielen 12 Monate.

Der Film bedeutet mir sehr viel, denn so merkwürdig und bizarr er ist, so sehr spiegelt er mir auch immer wieder den Kraftakt vor, der nötig war um aus all der Unsicherheit und Angst heraus zu finden und nach zwei Jahren, endlich wieder mit dem Filmemachen anzufangen. Im nächsten Animationsprojekt Ein Krötenlied, entwickelten wir dann den Photogrammetrieprozess weiter, der es ermöglicht gebaute Miniatursets relativ schnell, dreidimensional in den Computer zu bekommen. Der daraus resultierende Stil war beim Igelfilm eigentlich rein aus der Not heraus entstanden, innerhalb von drei Wochen einen fertigen Clip rendern zu können.

Momentan arbeite ich bei Rise FX in Berlin als Animator und 3D Artist und werde im Frühjahr 2018 mit guten Freunden und Kollegen aus dem Animations- und Makeup-Effects-Bereich eine Firma namens RainDogs Gbr gründen. Ziel ist es, sowohl Auftragsarbeiten im Bereich Animation, VFX und Film sowie im Bereich Makeup-, Miniature und Animatronic Effects übernehmen zu können. Im Bereich Kurzfilmproduktion und VR planen wir einige eigene Projekte. Der Grundgedanke dabei wird weiterhin sein, möglichst viel handwerklich zu bauen und die Vorzüge von Practical Effects, Set- und Figurenbau mit der digitalen Welt der Animation zu kombinieren."