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Februar 2018: Counterparts

Counterparts (Regie: Paula Schwabe | Producer: Philipp Monjoie | Technical Director: Marcel Ruegenberg) ist eine begehbare, audiovisuelle Installation, die im Rahmen des Studienschwerpunkts Interaktive Medien entstand und sich mit der Verfremdung der eigenen digitalen Identität im realen Raum befasst. Das Projekt stellt somit eine ganz entscheidende Frage: Was passiert, wenn wir die Kontrolle über unsere digitale Identität verlieren? Mehr dazu erzählt uns Paula Schwabe im Interview.

AI: In Counterparts behandelst du das Spannungsfeld zwischen Online-Identität und der physischen Identität. Worin genau besteht der Konflikt zwischen diesen beiden Identitäten bzw. welche Herausforderungen ergeben sich daraus für einen jeden?

P: Eine digitale Identität stellt immer nur einen Teil einer physischen Identität, also einer realen Person, dar. Diese eigene Online-Darstellung kann man selber beeinflussen und steuern. Ich kann mich beispielsweise auf sozialen Netzwerken bewusst einseitig positiv darstellen, um ein geschöntes Bild von mir zu erschaffen. Die Kontrolle hierüber liegt aber nicht nur bei mir. Sie unterliegt viel mehr der Kontrolle und den Richtlinien des digitalen Netzwerks zu der meine digitale Identität gehört. Diese Problematik wird in Counterparts visuell und inhaltlich aufgegriffen und hinterfragt: Wie viel Kontrolle haben wir wirklich über unsere digitalen Identität/en? Was passiert, wenn wir die Kontrolle über unsere Digital Me’s verlieren und sie zu „digitalen Doppelgängern“ werden, die mehr Kontrolle über uns und unser reales Leben haben als wir über sie? Counterparts gibt diesen digitalen, verfremdeten Identitäten einen realen, erlebbaren Raum. Dennoch bleibt die Installation dabei abstrakt und überlässt es dem Zuschauer, wie sehr er sich auf das Erlebnis einlassen möchte.

AI: Wie hat dein Publikum auf die Installation reagiert?

P: Viele Zuschauer begegneten der Installation zunächst mit Neugierde und aus sicherem Abstand. Die Immersion beeindruckte viele und die technische Umsetzung sorgte für Faszination. Viele verweilten eine Weile in der Installation, um zu beobachten, wie andere auf die Figuren und die Projektionen reagieren. Betritt man die Installation alleine, ist das Erlebnis sehr viel intimer und man reflektiert sehr viel mehr, was passiert. Bei einem größeren Publikum wird die Installation zur Attraktion, also zum Happening. Viele Besucher machen dann Fotos und stellen diese Online. Die kritische Auseinandersetzung weicht der Experimentierfreude und der Faszination mit dem Gesehenen.

AI: Woran arbeitest du gerade?

Ich bin nach meinem Studium nach Amsterdam gezogen und arbeite hier Vollzeit als User Experience Designer. Mit Ricarda Saleh, einer ehemaligen IM Kommilitonin, arbeite ich momentan zusätzlich an der Umsetzung eines Multiplayer Mobile Games. Das Projekt entstand an der Filmakademie und hat von der der MFG (Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg)eine Konzepförderung erhalten.