• A-
  • A+

Wir bewegen uns in einer friedlichen Unterwasserwelt. Alles scheint normal. Bis wir bei einem zweiten Blick bemerken, dass die Meeresbewohner irgendwie anders aussehen. Fast schon wie...ja, tatsächlich wie aus Plastikmüll. THE BEAUTY hat mit dieser Kombination aus hochaktuellem Thema und großartigen visuellen Effekten gerade erst eine Auszeichnung bei den renommierten VES Awards 2020 gewonnen. Wir haben mit Regisseur Pascal Schelbli über die Besonderheiten einer VFX-Produktion wie THE BEAUTY gesprochen.

Pascal Schelbli  VFX Directing

Worum geht es in The Beauty?

Bei The Beauty geht es um eine 3-minütige Reise durch eine Unterwasserwelt, in der Plastik und Natur eins werden. Dabei lösen sich für einen Atemzug lang unsere Sorgen und Schuldgefühle zwischen den schaurig schönen Korallenriffen und den geheimnisvollen Tiefen des Ozeans auf. Doch zum Schluss bewahrheiten sich unsere Schuldgefühle und wir erkennen erst recht das Ausmaß dieses Elends.

Aktuell wird die Verschmutzung der Meere überaus emotional diskutiert. Wieso habt ihr euch entschieden, einen Film dazu zu produzieren?

Da ich in Mitten von Bergen aufgewachsen bin und ich stets auf oder bei ihnen unterwegs war, liegt mir die Natur sehr am Herzen. Deshalb rümpfe ich mir schon immer etwas die Nase, bei jeder Verpackung oder bei jedem Zigarettenstummel, den ich draußen im Gebirge oder im Wald auflesen muss. Leider sind aber die Verschmutzungen in den Weltmeeren viel gravierender. Um ein kleines Zeichen zu setzen, kam mir die Idee diesen Film zu machen. 

Wie lief der Dreh unter Wasser in Ägypten ab?

Der Dreh lief perfekt. Natürlich waren zu Beginn die Bedenken da. Finden wir die passenden Orte? Wie wird die Kommunikation unter Wasser sein? Ist das gedrehte Material brauchbar für unseren geplanten Workflow? Mit solchen Fragen sind wir nach Ägypten gereist. Doch dank der guten Vorbereitung des Teams, einem sehr talentierten Kameramann und der Tauchschule Diving.de, die uns alles zur Verfügung gestellt hatte, verlief alles sehr reibungslos. Der Müll und vereinzelte Korallen mussten dann aber hier in Europa nochmals nachgedreht werden.

Hat die Arbeit an The Beauty eure Perspektive auf das Thema verändert und wenn ja, wie?

Aus den oben genannten Gründen habe ich mich laufend mit dem Thema auseinander gesetzt und versuche bei jeder Möglichkeit Plastik zu vermeiden. Roggenmehl statt Shampoo, Blockseife statt Duschgel, Kleider ohne Mikroplastik oder wenn dann aus recyceltem Polyester und stets ein Becher oder eine Flasche dabei.

Wie war es für euch, einen VES Award gewonnen zu haben?

The Beauty zwischen Namen wie Star Wars und Lion King zu sehen, war schon beeindruckend. Und dann vor diesen Leuten zu stehen, die in der VFX Industrie ganz oben mitspielen, war schon sehr surreal.

VFX Directing

Wie war für dich die Arbeit als Regisseur an einem VFX-Projekt wie The Beauty? Was war besonders oder anders als bei deinen anderen Projekten?

Es war sehr bereichernd mit so vielen talentierten Leuten zusammenzuarbeiten! Ich war es davor gewohnt, dass vom Konzept bis zum fertigen Ergebnis alles aus der eigenen Feder entstand. Doch hier wurde die Qualität des Endresultats auf eine ganz andere Ebene gehoben, da jeder seine Skills bis zur Perfektion ausüben konnte.  So war es auch einfacher, neben den eigenen CG Tasks die Regie zu führen und Feedback zu geben.

Wie sah die Zusammenarbeit mit VFX Supervisor Marc Angele aus?

Marc war ein Geschenk für das Projekt und wir haben uns von Anfang an sehr gut ergänzt. Da er über ein großes technisches Knowhow verfügt und sehr exakt arbeitet, ist es uns erst überhaupt gelungen, diesen fotorealistischen Look hinzukriegen. Das war die größte Herausforderung an dem Projekt und zusammen mit seinen herausragenden Skills (Lighting, Shading, Rendering, Compositing) ist uns das glaub nicht schlecht gelungen :)

Was hast du vor deinem Studium an der Filmakademie gemacht?

Ursprünglich bin ich gelernter Grafiker, bin aber nach der Ausbildung in Richtung Motion Design „abgedriftet“. Als Motion Designer habe ich dann auch für das Schweizer Fernseher und davor für eine Filmproduktion diverse Broadcast Opener, Imagefilme, Werbungen etc. entworfen. Ich habe mich immer zwischen 3D Generalist und Grafiker bewegt.