Von Alligatoren und Countrymusik

Interview mit Evangeline-Regisseurin Nadine Schwenk

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Die abenteuerlustige Evangeline findet eines Abends tief in den Sümpfen Louisianas ein verlassenes Alligatoren-Ei. Sie beschließt, es mit nach Hause zu nehmen und heimlich unter ihrem Bett auszubrüten. Als der Alligator schlüpft, hat sie endlich ihren langersehnten Spielkameraden. Der Alligator wird jedoch bald zum Problem für Evangeline. Regisseurin Nadine Schwenk reiste in ihrem Urlaubsjahr durch die Südstaaten der USA. Mitgenommen hat sie die Idee für ihren Diplomfilm Evangeline, von dem sie im Folgenden erzählt.

Nadine Schwenk – Directing/Head of Animation

 

Du hattest ja schon früh im Studium eine klare Vision über den Film Evangeline. Woher kam sie und was hat dich an der Idee so begeistert?

 

Die Idee zu Evangeline hatte ich nach meinem Urlaubsjahr. Während dieser Zeit bin ich zwei Monate alleine durch die Südstaaten der USA gereist - von Nashville über Atlanta und New Orleans bis nach Austin, Texas. Seit meiner Jugend übt diese Region eine besondere Faszination auf mich aus. Während meiner Reise wollte ich vor allem authentische Musik, Menschen und Landschaften dort erleben und besuchte viele Konzerte und spielte mit fremden Menschen Gitarre, die mich freundlich in ihrer Mitte aufnahmen.
Außerdem war ich schon immer ein Riesenfan von Dinosauriern und Reptilien im Allgemeinen - also eigentlich allem, was Schuppen hat. Während ich in New Orleans war, bin ich durch die Sümpfe gewandert und habe wilde Alligatoren gesehen, und sogar einen Baby-Alligator auf dem Arm gehabt, was ein fantastisches Erlebnis für mich war.

 

Die Südstaaten sind eine Region, die sehr polarisiert, aber mich immer begeistert hat. Die meisten Menschen, die ich kenne, interessieren sich nicht sonderlich für Country- oder Bluegrassmusik und teilen auch nicht meine Liebe zu Reptilien, sondern finden sie eher abstoßend und widerlich. Deshalb wollte ich gerne ein Stück dieser Welt, die mich so begeistert, anderen Menschen näherbringen.

 

Du warst nicht nur die Regisseurin von Evangeline, sondern hast auch noch große Teile des Films selbst animiert. War das nicht sehr herausfordernd (wenn ja, inwiefern)? Oder haben sich beide Rollen gegenseitig inspiriert?

 

Eine Herausforderung war es, schnell zwischen den verschiedenen Aufgabenbereichen zu wechseln. Manchmal muss man also über die Musik sprechen, dann Feedback zur Animation geben und dann wieder selbst animieren. Man muss also versuchen, sich schnell wieder auf eine andere Aufgabe einzulassen und hineinzudenken. Ich hatte jedoch ein tolles Team, das mich ganz stark darin unterstützt hat, und wir haben versucht, Wege zu finden, das Ganze so zu optimieren, dass jeder möglichst lange eigenständig arbeiten konnte. Der Vorteil an beiden Aufgabenbereichen ist, dass man für den Gesamtfilm sowie den Animationsstil ein klares Bild im Kopf hat. So kann man Entscheidungen in beiden Bereichen treffen, mit dem Wissen, wie sie sich gegenseitig beeinflussen.

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