Kreative Lösungen

Interview mit Evangeline-Producerin Nina Schwarz

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Die abenteuerlustige Evangeline findet eines Abends tief in den Sümpfen Louisianas ein verlassenes Alligatoren-Ei. Sie beschließt, es mit nach Hause zu nehmen und heimlich unter ihrem Bett auszubrüten. Der atmosphärische 3D-Kurzfilm Evangeline brachte für Producerin Nina Schwarz einige Herausforderungen mit sich – die kreativ gelöst wurden. Schon mal was von einer Modelling Party gehört? Mehr dazu im Interview.

Nina Schwarz – Animation/Effects Producerin

 

Evangeline war das erste größere Animationsprojekt, das du als Producerin begleitet hast – und das gleich noch über mehrere Jahre. Haben sich daraus für dich besondere Herausforderungen ergeben und wenn ja, inwiefern?

 

Eine der größten Herausforderungen war für mich, ein Team über einen so langen Zeitraum bei Laune zu halten und immer wieder neue Teammitglieder zu finden. Ich glaube, am Ende können wir sagen, dass fast das ganze Animationsinstitut in die Produktion des Filmes Evangeline involviert war. Wir hatten Teammitglieder aus allen Jahrgängen, wodurch Studierende viel voneinander lernen konnten. Natürlich hatten wir auch immer wieder Teammitglieder, die uns über einen längeren Zeitraum begleitet haben, wie zum Beispiel Caroline Kiessling, Daniel Schmucker und Tim Lehr - mit ihnen hatten wir ein sehr starkes Kernteam, das gerade gegen Ende der Produktion Erstaunliches vollbracht hat.

 

Für mich als Producerin war es besonders lehrreich, in alle Prozesse der Filmproduktion mit eingebunden zu sein, so dass aus der Vision der Regisseurin ein gemeinsames Projekt entstanden ist. Zusammen waren wir bei vielen Mentoring-Sessions, von Storytelling, über Sound und Musik bis hin zu technischen Mentorings, in denen es um die Pipeline oder die Animation ging. Das Schöne war hierbei, dass die künstlichere Vision immer Hand-in-Hand mit der technischen und produktionellen Umsetzbarkeit erörtert und erarbeitet wurde.

 

Als Team haben wir dann auch unterschiedliche Projekt-Tools ausprobiert. Die ursprünglichen Post-its, auf denen To-Dos standen, wurden schnell durch Shotgun und dann später FTrack ersetzt. Tools, die ich heute bei meinem Job benötige und täglich nutze.

 

Einen ganz wichtigen Punkt, den ich in diesem Projekt gelernt habe, ist es, ein Projekt zu verkaufen. Dadurch, dass wir immer wieder auf der Suche nach Unterstützung waren, haben wir unzählige Male das Projekt vorgestellt und gepitcht. Am Anfang war ich sehr aufgeregt, aber mit der Zeit verfliegt das, man wird immer sicherer, weiß worauf es ankommt und lernt, lockerer zu werden.

 

Gemeinsam durften Nadine und ich zu Cartoon Movie fahren. Dort konnten wir uns einiges von den "alten Hasen“ in der Branche abschauen. Eine unvergessliche und sehr lehrreiche Reise.

 

 

Für Evangeline waren sehr viele Assets nötig – von Teetassen über Möbel bis hin zu einem ganzen Schiff. Ihr habt euch etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um diese Assets für Evangeline zu bekommen, Stichwort Modelling Partys. Was steckt dahinter?

 

Wir hatten ein tolles künstlerisches Team, das eine ganz besondere Bildsprache für den Film Evangeline geschaffen hat: Tobias Trebeljahr als Art Director hat sich um das Wohnhaus mit all seinen Zimmern und das Jägerschiff gekümmert. Eddy Hohf war für das Character Design verantwortlich und Sofiia Melnyk für den Sumpf und dessen Pflanzenwelt. Gemeinsam haben sie eine Welt geschaffen, die so in keiner Asset-Library zu finden sind.

 

Wir sind relativ schnell an den Punkt gekommen, an dem wir gemerkt haben, dass wir nie im Leben die Man-Power haben werden, wirklich jedes Asset selber von Hand zu modeln. Wir wollten aber auch nicht den Stil des Films verlieren. Schließlich sind wir auf die Idee gekommen, Modeling-Partys zu veranstalten.

 

Diese sahen bei uns so aus: Wir haben den Computer-Raum für einen Abend gebucht und alle Studierenden eingeladen, vorbeizukommen und ein Asset zu modeln. Es gab Snacks wie Muffins und kleine Alligator-Kekse, passende Musik und Getränke. Jeder, der gekommen ist, durfte sich ein oder mehrere Assets aussuchen und modeln.

 

Vereinzelt kamen sogar Studierende, die zuvor noch nie gemodelt haben. Mit der Hilfe ihrer Kommilitonen haben sie es bei diesen lustigen und lockeren Abenden gelernt. Eine willkommene Abwechslung waren unsere Modeling-Partys auch für die Leute, die gerade an ihren eigenen Diplomprojekten gearbeitet haben.

 

Aufgrund des großen Erfolges und der unglaublich Produktivität dieser Abende habe ich dieses Modell auch für andere Projekte angewendet. Für mein Diplomprojekt Family Bonds, einen 2D-Animationsfilm, haben wir dann Coloring-Partys gemacht. Hier durfte sich jeder einen Shot zum Kolorieren aussuchen - auch das war ein großer Erfolg.

 

Die Hilfsbereitschaft untereinander ist am Animationsinstitut wirklich erstaunlich, denn am Ende sitzen alle im gleichen Boot.

 

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