Durch die Blume

Projekt des Monats: Harald

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Das Diplomprojekt von Moritz Schneider erzählt die Geschichte von Harald, einem seit Kindestagen erfolgreichen Wrestler, der aber insgeheim lieber Blumen züchten würde – was seiner Mutter, die sich gerne mit den Siegestrophäen ihres Sohnes zeigt, ein Dorn im Auge ist.

Lies weiter: Moritz Schneider teilt seine Gedanken hinter der bunten Heldengeschichte und gibt Einblicke in die spannende Produktionsarbeit am Animationsinstitut

 

 

 

Regisseur Moritz Schneider über Harald:

 

"Mit Harald habe ich erstmals einen narrativen Film im Sinne der Heldenreise in 3D gemacht, beides zusammen hatte ich vorher noch nicht gemacht und erst im Diplom gewagt anzugehen. Unter der Oberfläche geht es für mich in dem Kurzfilm um das Finden und Eintreten für die eigene, unabhängigen Rolle in der Gesellschaft. Kann eine Rolle wirklich unabhängig sein oder ist sie nicht per se immer an die Außenwahrnehmung und Bewertung im Sinne von Erfolg und Misserfolg geknüpft? Ist es möglich, sich davon befreit mit „reinen“, inneren Werten zu behaupten?

Diese Fragen habe ich mir vor und während des Studiums immer wieder gestellt und mit ihnen, selbst wenn ich es erst im Nachhinein benennen kann, bin ich auch in mein Diplom gegangen. Mal mehr, mal weniger bewusst sind letztendlich alle Elemente des Films um diese Gedanken gestrickt.

Meine Figur bewegt sich in einer kommerzialisierten Athletenwelt, die sich mit überdrehten Farben und Kostümen selbst zelebriert und in der aller Erfolg und Misserfolg über Kampf und plakative, laute „Männlichkeit“ messbar wird (zumindest in der Interpretation wie sie im Film gezeigt wird). Dem gegenüber stellte ich die verborgende Liebe zu Pflanzen. Als ich nach einer wohlbehüteten Leidenschaft suchte, die aus der Figur kommt, war das tatsächlich der ruhigste und unaufgeregteste Gegenpol der mir einfiel.

 

Als eine der vielen Stärken von künstlerischem Animationsfilm sehe ich die Möglichkeit, abstrakte innere Prozesse sehr plakativ nach außen verlagern zu können. So ist es am Ende völlig okay, dass die Mutter im Film fast durchgängig als eindimensional überzeichnete, diabolische Trainer-Mutter auftritt. Sie gibt dem Wertekosmos, in dem der Held gefangen ist, stellvertretend ein Gesicht, gegen das er ankämpfen kann. Deshalb trauern wir der Figur, auch wenn wir ihre Beweggründe aus eigenen, persönlichen Mutter-Erfahrungen erahnen können, am Ende des Films keine Träne nach.

 

 

Das war nicht von Anfang an so. Um die Radikalität, mit der sich die Hauptfigur am Ende des Films durchsetzt, nachvollziehbar zu machen und ihren von Grund auf gutmütigen Charakter dabei nicht zu zerstören, haben wir im Handlungsablauf viele kleine Stellschrauben drehen müssen.

 

Dabei halfen vor allem die Bi-Weeklies mit Mitstudierenden und Dozierenden, die einen zu dem Glück zwangen, die eigenen Überlegungen und Entscheidungen alle zwei Wochen öffentlich teilen zu dürfen. Das mag ironisch klingen, war aber tatsächlich die einzigartige Möglichkeit, Ideen durch Bestätigung, Zweifel und Verteidigung immer wieder aufs Neue zu schleifen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben später, vor allem gegen Ende des Projekts, sehr geholfen: Sobald man mit einem größeren Team an verschiedenen Szenen und technischen Baustellen gleichzeitig arbeitet, ist nämlich die Gefahr groß, den erzählerischen Fokus zu verlieren.

 

 

Im Zuge des Diploms habe ich also sehr viele Departments einer Animationsproduktion (auch die, die eigentlich nicht mein Steckenpferd sind) durchlaufen und konnte dadurch ein breites Fundament mitnehmen, was für das Verständnis und die Kommunikation in vielen Bereichen später hilfreich war – mitsamt der Erkenntnis, dass ich ein Projekt in dieser finalen Form nicht hätte alleine bewältigen können und wollen.

 

Dafür, dass ich dennoch die Möglichkeit bekommen habe, einen persönlichen Stoff vom Konzept ab bis zum Ende umzusetzen, bin ich sehr dankbar – dem Team aus großartigen Mitstudierenden und Freundinnen und Freunden, die das Projekt lange unterstützt haben, aber auch dem Team des Animationsinstituts: Die Struktur, in der freies künstlerisches sowie fokussiertes Arbeiten im Team gleichermaßen gelehrt und gefördert wurde, ist wahrscheinlich einzigartig. Ich schaue immer wieder gerne auf diese intensive Zeit zurück."

 

Du willst mehr über Moritz Schneider erfahren? Hier entlang.

 

 

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